Aus gutem Holz geschnitzt

Das sind nicht nur die Mitglieder der Bundesmusikkapelle Söll sondern auch die Zeltausstattung für das dies- jährige Musikfest des Unterinntaler Musikbunds. Veranstalter ist in diesem Jahr die mittlerweile 165 Jahre alte Kapelle – ein Jubiläum mit Rückbesinnung auf die wahre Festkultur.
Emsig arbeitet man bei der Bundesmu- sikkapelle an den hölzernen Gestellen. Wenig erinnert noch an die ursprüng- lichen Baumstämme, die von einigen der Musikanten und Förderern zur Ver- fügung gestellt wurden. »Wir haben das Holz geschnitten und anschließend getrocknet«, weiß Andreas Embacher. »Im Jänner haben wir mit dem Bau der Barelemente begonnen, weil wir da die Zeit hatten als Zimmerer.« Im Grund- riss ist die Bar wie eine acht gestaltet
und hat eine Größe von sieben auf fünf Metern. Der traditionelle Firstbuschen wurde nach der Fertigstellung von Eh- renobmann Sebastian Neureiter an die Bretter genagelt. »Es ist uns wichtig, dass wir eine Wohnzimmeratmosphäre in das Zelt bekommen. Holz und die perfekte Ton- und Lichttechnik spielt dabei eine tragende Rolle«, sagt Sabine Neureiter. Irene Zott ergänzt sie: »Man soll hinein- kommen – und das Zelt soll interessant und spannend sein. Mit einer gewissen

Liebe soll alles gestaltet sein, heimelig soll es sein.« Aus den eigenen Reihen stel- len sich Handwerker zur Verfügung, ob Zimmerer, Tischler oder Elektriker. Doch warum dieser große Aufwand? »Uns ist aufgefallen, dass in den letzten Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten, die Festkultur in unserem Raum nachlässt«, beschreibt Obmann der BMK Söll Günther Abart. Beim Bezirksmusikfest am ersten Augustwochenende will die Blasmusikkapelle die Festkultur wieder an den Mann und die Frau bringen.

»Wir freuen uns schon darauf viele Besucher begrüßen zu dürfen und blicken mit Vorfreude auf unser abwechs- lungsreiches Musikfest.«

Günther Abart

Obmann Bundesmusikkapelle Söll

Der Vergangenheit geschuldet

August 1855: Der erste große Auftritt der Musikkapelle, als der sich auf der Durchreise nach Innsbruck befindliche Erzherzog Carl Ludwig in Söll von Kapel- le, Schützen und weiteren mit allen Eh- ren empfangen wurde. In den folgenden Jahren zeichnete sich die Musikkapelle oft »mit klingendem Spiel« bei festlichen Anlässen oder kirchlichen Traditionen aus. Einer, der sich zu dieser Zeit be- sonders um die Kapelle bemüht hat und auch maßgeblich im Bezirk tätig war, hieß Stefan Feyersinger – der Bauer zu Enting. Dem Söller und weiteren Pionie- ren der Blasmusik, allen voran aber dem ersten Bezirkskapellmeister Sylvester Greiderer, ist es zu verdanken, dass die Gründung des ersten österreichischen Blasmusikverbands 1903 in Kufstein von statten ging. In der Geschichte zeigt sich, dass sich die Söller Blasmusikkapelle schon früh dem sozialen Engagement und ehrenvollen Ämtern verpflichtet wusste. Auch heute noch bekleiden zwei aus den eigenen Reihen hohe Ämter im Bezirk: Sebas- tian Neureiter als Bezirksobmann und Oswald Mayr als Bezirkskapellmeister. Dabei schreibt der Autor Josef Wetzinger in den Kulturberichten 2012 aus Tirol und Südtirol der Blasmusik einen hohen Stellenwert im gesellschaftlichen Leben zu: »Die Volkskultur findet im Blasmu- sikwesen eine starke Säule, steht doch in den Musikkapellen die Pflege der Gemeinschaft neben der Musikpflege als Bildungsgut, aber auch zugleich als emotionale Klammer auf gleicher Ebene. Das Miteinander-Musizieren von Men- schen bedeutet ein hohes Gut in unse- rer Gemeinschaft, die Beschäftigung mit Schönem eine Bereicherung des Lebens für Mitwirkende wie für Zuhörende.«

Musikfest im august

Eine Bereicherung für die Umgebung soll auch das dreitägige Fest werden. »Das ist ein Musikfest für alle Altersgruppen«, sind sich die Mitglieder des Ausschusses einig. »Die Vielfältigkeit, das ist sicher neben der neu auflebenden Festkultur auch noch ein Alleinstellungsmerkmal.« Ein kurzer Auszug aus dem hochwertigen Unterhal- tungsprogramm: Freitag setzt man auf die moderne Schiene mit der Liveband »Wha- tever« und einer Ö3-Disco, Samstag spielt die BMK Söll hingegen das Kontrastpro- gramm mit einer heiligen Messe, einem Blasmusikkonzert der BMK Scheffau und »Die Lungauer«. Und am Sonntag – da setzt man den Schwerpunkt ganz klar auf Blasmusik mit der BMK Ellmau, BMK Schwoich, MV Stöttwang und anschlie- ßend steht die Band »Tiroler Alpenfieber« auf der Bühne. »Wir haben an drei Tagen drei verschiedene Stilrichtungen.« Ebenso im kulinarischen Bereich zeigt sich eine kleine Sensation. Neben den typischen Festessen Hendl, Schnitzel mit Kartoffelsalat oder Pommes und Bratwürs- tel steht eine vegetarische Alternative auf der Karte. »Man geht auf ein Fest und er- wartet das Hendl. Aber auch ein vegeta- risches Gericht ist uns wichtig, jeder soll sich etwas finden«, stellt Carina Ortner das Menü vor. Und wem das alles noch nicht genug ist, dem wird spätestens beim Festumzug der Musikkapellen und Söl- ler Vereine ins Staunen geraten. »Da der Gauderfest-Umzug dieses Jahr nicht statt- gefunden hat, wird der Umzug im Rah- men des Musikfests in Söll sicher einer der größten seiner Art in diesem Jahr im Tiroler Unterland«, bestätigt der Obmann die zahlreichen Zusagen der Vereine aus der Gemeinde. Qualität und Festkultur – das ist das Ziel, worauf die Musikanten der BMK Söll eifrig hinarbeiten.

Text: Alexandra Embacher
Foto: BMK Söll/Robert Pointner, GPhoto/Martin Guggenerger

Ähnlicher Beitrag