Von einer, die brennt

»Lern was Gescheit’s, von dem du leben kannst!« Über diese und ähnliche Sätze musste sich Kathrin Obermoser in der Vergangenheit hinwegsetzen. Das war nicht immer einfach. Aber voller Passion und Ehrgeiz folgte sie ihrer inneren Stimme auf einem Weg, der sie zur Verwirklichung ihres Traumes führte.
»Musik war stets ein präsenter Teil in meinem Leben«, schildert die gelernte Kindergartenpädagogin. Aber nach dem Abschluss in Innsbruck hatte sie vor- erst genug vom Lernen und es drängte sie danach, eigenes Geld zu verdienen. In den folgenden acht Jahren arbeite- te sie in den Kindergärten von Wörgl und Ellmau. Ihre Leidenschaft für das Singen und Tanzen blieb jedoch unge- brochen und so säumten Auftritte mit »Francy’s’Bean«, »Black Honey« und als Hochzeitssängerin ihren Alltag.

INNSBRUCK – WIEN – MÜNCHEN

Durch Zufall las sie 2012 in der Tiroler Tageszeitung von einem anstehenden Casting für die Besetzung des Musicals »Joseph« am Landesjugendtheater in Innsbruck. Sie hat nicht lange abgewo- gen oder überlegt, sondern sich kurzer- hand beworben. Und der Mut hat sich bezahlt gemacht, denn sie wurde auf Anhieb genommen und für das Stück besetzt. Auch bei dem Musical »Zwerg- nase« im Folgejahr durfte sie mitwirken. »Mir hat das so gut gefallen und es war ganz klar, dass das genau das war, was ich tun wollte.« Es ereignete sich dann ein weiterer Zufall. Im Zug auf dem Rückweg von Wien, wo sie ein Musical im Raimund Theater besuchte, blätterte sie in der dort gekauften Musical Zeitschrift, als sie plötzlich von einem Tag der Offenen Tür an der Abraxas Musical Akademie in München las. »Ich wusste nicht ein- mal, dass es eine solche Schule gab und dachte mir, ›Genial, da fahr ich hin!‹ «, erklärt Kathrin mit leuchtenden Augen. »Nach diesem Tag war endgültig sicher, dass ich diese Ausbildung machen woll- te und musste.« Ohne ihre Eltern wäre es jedoch sehr schwierig geworden und sie ist heute sehr dankbar dafür, dass sie an sie geglaubt haben und ihr finanziel- le Unterstützung zugesichert haben.

LEHRJAHRE

Die Ausbildung an der Akademie be- steht aus drei Säulen: Tanz, Gesang und Schauspiel. »Es ist wirklich lässig, aber es ist auch sehr anstrengend und sie verlangt dir einiges ab. Manchmal gera- ten jüngere Menschen ins Schwärmen, wenn sie von meinem Beruf erfahren, aber ganz so einfach ist es nicht. Man sollte sich einige Aspekte vor Augen führen, bevor man sich für diesen Weg entscheidet. Zum einen sollte man na- türlich für mindestens eine Sparte Talent mitbringen, aber nicht minder wichtig ist eine Vorbildung. Wenn du da nicht schon über eine solide Basis verfügst, gehst du während der Ausbildungsjahre ein«, weiß die Dreißigjährige zu berich- ten. Denn die umfassende Ausbildung wird im Schnelldurchgang absolviert. Der Ballettunterricht in St. Johann, di- verse Tanzworkshops und auch die Erfahrungen als Musikerin halfen ihr dabei, das geforderte Pensum zu absol- vieren. »Aber ich habe extrem viel ge- lernt in der Zeit, besonders während der schauspielerischen Ausbildung. Sowohl für den Beruf als auch für den privaten Umgang mit Menschen. Ich hab jetzt ein Gefühl dafür, warum mein Gegen- über so reagiert, wie es reagiert. Da geht man in der Ausbildung schon sehr in die Tiefe und da kommt über kurz oder lang die verletzliche Seite eines jeden ans Ta- geslicht. Du musst dazu bereit sein, vie- les von dir preiszugeben. Besonders mit Emotionen probiert man sehr viel aus. Und so wie es wichtig ist, sich in diverse Gefühle ›hineinzufühlen‹, so ist es min- destens genauso wichtig da auch wieder ›herauszufinden‹, sonst schleppst du das den ganzen Tag mit dir rum. Aber das ist lernbar.«

INSPIRATION

Gute Lehrkräfte sind nicht immer selbstverständlich. Wichtig findet die Musi- caldarstellerin, dass man neben all der notwendigen Kritik auch motiviert und aufgebaut wird. »Denn, ist dem nicht so, kann es schon mal passieren, dass man plötzlich gar nichts mehr sieht, außer dem, was man eben nicht kann. Eine di- cke Haut zu haben, ist in jedem Fall von Vorteil.« Ebenso weiß Kathrin, dass man bewusst oder unbewusst immer von der Gesellschaft auferlegte Haltungen und Erwartungen in sich trägt. Sich von diesen zu befreien, sei ein entscheiden- der Teil der Ausbildung. Inspiration und Motivation fand Kathrin bei Alex Frei. Einem Dozenten, der zwar durchaus fordernd war und die Fronten von An- fang an klar stellte. Allerdings beruhte der Umgang miteinander auf gegenseitigem Respekt. »Er hat uns zum Beispiel auch klar gemacht, dass wir alle auf un- sere ganz individuelle Weise schön und perfekt sind. Ich kann es nicht beschrei- ben, aber bei ihm ist man einfach gern gewesen. Wenn er den Raum betreten hat, dann hat er ihn bis ins letzte Eck mit seiner Ausstrahlung ausgefüllt. Ein Zitat von Augustinus Aurelius hat er uns mit auf den Weg gegeben, das mich heute noch oft begleitet: ›In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.‹«

»Mittlerweile bin ich soweit, dass ich in Oberbegriffen wünsche.«

Kathrin Obermoser

Musicaldarstellerin aus Going

Text: Simone Embacher
Foto: Dieter Schnöpfl, GPhoto/Martin Guggenberger

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