Mit einem Energiebündel in die Zukunft

Holz schafft Wärme. Und das in Söll bereits seit dem 13. Oktober 2001, an diesem Tag erfolgte die erste Wärmelieferung vom Biomasse-Heizwerk ausgehend in die Gemeinde. Seit der offiziellen Einweihung im selben Jahr hat sich einiges getan – befeuert wird aber nach wie vor mit Hackgut. Dem Betrieb steht jedoch ein neuer Geschäftsführer vor.
Ist das Ende des fossilen Zeitalters erreicht? »Der Kampf gegen den Klimawandel zählt zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Wir müssen entschlossen handeln und rechtzeitig gegensteuern – Österreich will internationaler Vorreiter auf dem Weg in eine klimafreundliche Zukunft sein«, schreibt (Anmerkung: die ehemalige) ÖVP-Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus Elisabeth Köstinger als Teil ihres Vorworts im »Bioenergie Atlas Österreich 2019«. Wenn es nach den aktuellen Zahlen geht, sieht die angestrebte Energiewende nicht ganz so optimistisch aus. Beim Bruttoinlandsverbrauch Tirols machen erneuerbare Energien nur rund 40 Prozent der Energieträger aus, die eingesetzten Heiztechnologien sind zu etwa 40 Prozent fossil. Das Land Tirol hat sich aber zum Ziel gesetzt, seinen Energiebedarf bis 2050 nahezu vollständig durch erneuerbare Energieträger decken zu können. Ein engagiertes Vorhaben.

Holz überholt Erdöl

Nach dem Bericht des Österreichischen Biomasse-Verbands überholten 2015/16 Holzbrennstoffe mit einem Anteil von 36 Prozent zum ersten Mal Heizöl mit einem knappen Prozentpunkt und wurden so zur bedeutendsten Wärmequelle in den Tiroler Haushalten. Inkludiert man biogene Fernwärme zu diesen Daten, deckt die Biomasse sogar 45 Prozent des Raumwärmebedarfs. An diesem Punkt kommt das Söller Hackschnitzel-Heizwerk ins Spiel, das rund zwei Jahrzehnte unter der Obhut von Hans Pirchmoser stand. Als Heizwart, Geschäftsführer und Ansprechpartner in allen Fragen rund um die Biomasse stand er der heimischen Bevölkerung Rede und Antwort in brennenden Fragen. Nun ist Hans-Peter Fuchs aus Bruckhäusl am Zug. Und damit hat der 32-Jährige eine verantwortungsvolle Aufgabe über nommen: In der Gemeinde versorgt das Heizwerk rund 150 Objekte (65 Prozent) mit -neutraler Wärme. Doch wie kann eine Verbrennung ein Beitrag zum Klimaschutz sein?

Der Weg der Wärme

Nach dem Bericht des Österreichischen Biomasse-Verbands überholten 2015/16 Holzbrennstoffe mit einem Anteil von 36 Prozent zum ersten Mal Heizöl mit einem knappen Prozentpunkt und wurden so zur bedeutendsten Wärmequelle in den Tiroler Haushalten. Inkludiert man biogene Fernwärme zu diesen Daten, deckt die Biomasse sogar 45 Prozent des Raumwärmebedarfs.
An diesem Punkt kommt das Söller Hackschnitzel-Heizwerk ins Spiel, das rund zwei Jahrzehnte unter der Obhut von Hans Pirchmoser stand. Als Heizwart, Geschäftsführer und Ansprechpartner in allen Fragen rund um die Biomasse stand er der heimischen Bevölkerung Rede und Antwort in brennenden Fragen. Nun ist Hans-Peter Fuchs aus Bruckhäusl am Zug. Und damit hat der 32-Jährige eine verantwortungsvolle Aufgabe über nommen: In der Gemeinde versorgt das Heizwerk rund 150 Objekte (65 Prozent) mit -neutraler Wärme. Doch wie kann eine Verbrennung ein Beitrag zum Klimaschutz sein? Waage gewogen. »An verschiedenen Stellen entnehmen wir eine Holzprobe. Damit wird der Wassergehalt der Holzlieferung bestimmt«, beschreibt Hans-Peter. »Die Probe wird mit einer Laborwaage gewogen, anschließend 24 Stunden im Trockenofen getrocknet und dann wieder gewogen. Dann weiß man die Differenz und kann damit die ATRO-Tonne, die absolute Trockensubstanz, der Holzlieferung präzise bestimmen.« Nachdem das Holz abgeladen ist, fährt das leere Fahrzeug wieder auf die Waage. Das Gewicht der Holzlieferung wird auf einem Lieferschein festgehalten. »Mit dieser Messeinrichtung schließen wir auch alle Lufteinschlüsse aus, die im Holz enthalten sind«, ergänzt Hans.

Wird nicht genug Waldhackgut direkt angeliefert, geht es dann Rundhölzern an den Kragen. Diese werden von einer externen Firma gehackt und entweder sofort verheizt oder in den Trocknungshallen mit Restwärme aus dem Biomasse-Heizwerk getrocknet. »Da wir in unserer Anlage eine Rauchgaskondensation, ein Verfahren zur Wärmerückgewinnung, eingebaut haben, brauchen wir das Hackgut vorher nicht zu trocknen«, erklärt Hans-Peter. »Das getrocknete Edelhackgut kommt direkt in den Verkauf, das Heizwerk Kitzbühel ist zum Beispiel ein Abnehmer. Mit dem Hackgut können aber auch Kleinanlagen zu Hause befeuert werden, das kann man mit Pellets vergleichen.« Beim Biomasse-Heizwerk werden die Hackschnitzel anschließend mittels Radlader n den Tagesbehälter geladen, von da aus funktioniert die Anlage hydraulisch. Je nach Verbrauch wird das Hackgut mit Schubböden nachgeschoben, in der Feuerungsanlage zu Gas umgewandelt und verbrannt. »Ich sage oft, Holz brennt nicht. Das muss man von dem Prozess, wie es entstanden ist, umgekehrt wieder bwickeln: man trocknet es, wandelt es in Gas um und verbrennt dieses dann. Das Feuer ist dann wieder die Sonne«, merkt Hans an. Und beantwortet damit die offene Frage.

Ein Beitrag zum Klimaschutz

Denn bei der Verbrennung von Holz wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie ein Baum während seines Wachstums aus der Atmosphäre aufnimmt. »Das ist eine Kreislaufwirtschaft. Das CO2, das bei uns bei der Verbrennung ausgestoßen wird, nehmen dann die Pflanzen wieder auf und speichern es im Holz. Sie brauchen das zum Wachsen«, ergänzt Hans-Peter. »Es ist aber kein Überschuss. Wenn man eine fossile Energie verbrennt, hat man einen Überschuss an CO2. Da ist der Durchrechnungzeitraum viel länger.« Zudem verfaulen Bruchholz, abgefallene Äste oder ähnliches im Wald ohnehin und setzen das Gas frei, im Heizwerk wird die Ressource dank der modernen Ausstattung effizient genutzt. Doch was hindert die Bevölkerung daran, auf erneuerbare Energieträger als Wärmelieferanten umzusteigen? »Ich denke, dass sich die Menschen nicht damit beschäftigen, dass die Klimaerwärmung da ist und immer schlimmer wird. Deren Ursache wollen viele auch nicht erkennen oder glauben«, mahnt Hans. Argumente einer immer schon währenden Klimaerwärmung schwirren dabei im Raum. »Dabei ist es mittlerweile wissenschaftlich nachgewiesen und man sieht bei jeder Grafik, dass die Temperatur massiv noch oben schnellt. So werden unsere Enkelkinder 2050 ein Problem haben.« Hans-Peter setzt fort: »Aber nur, wenn wir nichts ändern.«

Text: Alexandra Embacher
Foto: GPhoto /Martin Guggenberger

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