Nächtliche Schneeabenteuer

24 Stunden, 18 Tage hindurch waren die Schneeräumgeräte vergangenen Winter in Ellmau im Dauereinsatz. Keine leichte Aufgabe für die Bauhofmitarbeiter und die Subunternehmer, die die Straßen und Gehwege schneefrei halten. Ein Nachtjob unter Extrembedingungen, geprägt von den sich ändernden Wetterverhältnissen.
Ein Donnern schallt durch die Nacht, erfüllt die menschenleeren Straßen. Dichtes Schneetreiben. Das Geräusch wird lauter. Plötzlich tauchen zwei Lichter auf, kommen näher. Ein Grollen. Sekunden später fliegt der Schnee, der gerade noch die Straße bedeckte, im hohen Bogen durch die Luft. Wenige Augenblicke später ist der nächtliche Spuk wieder vorbei, die Straße schneefrei. Das Werk von Ellmaus Bauhofmitarbeitern und den drei Subunternehmern mit ihren tonnenschweren Einsatzfahrzeugen. Adrenalin-Jobs im eisigen Winter, während andere in ihren warmen Betten liegen.

24 -Stunden-Einsatz

»Der letzte Winter war extrem, wobei nicht die Schneemenge das Problem war, es war vielmehr der nicht endende Schneefall. Wir hatten keine Sekunde Zeit zum Durchatmen. Die Männer sind 18 Tage hindurch gefahren. Die Motoren wurden gar nicht mehr kalt, die Fahrer haben sich die Autoschlüssel in die Hand gegeben und weiter ging es«, erzählt Bauhofleiter Bernhard Moser. Doch auch ohne Extrembedingungen ändert sich der Tageslauf der Bauhofmitarbeiter und drei Subunternehmer, die für die Gemeinde fahren, im Winter von Grund auf. Zwischen zwei und drei Uhr früh beginnt ihre Schicht. Während die Subunternehmer mit ihren großen Pflügen die Straßen räumen, werden Geh-, Wanderwege und der Friedhof von den Gemeindemitarbeitern zu Fuß mit der Schneefräse begangen, Kilometer um Kilometer. Und das mitten in der Nacht.

Handys im Schnee

Gegen halb sechs Uhr früh kommen zwei bis drei Lastwagen im Kolonnenbetrieb, um den Schnee abzutransportieren tieren. Zeit bleibt nicht viel, denn ab sieben Uhr früh erwacht das Leben in Ellmau. »Durch die hohe Baudichte kann innerorts kein Schnee mehr gelagert werden. In einen Bach kannst du den Schnee aber auch nicht schütten, da die Verschmutzung der weißen Pracht recht hoch ist. Vom Streusalz abgesehen finden sich Unmengen an Müll darin.« Der Schnee landet am Schotterparkplatz des Kaiserbads, wo er im Frühjahr so manche Überraschung preis gibt. »Heuer waren unter anderem einige 10er iPhones darunter«, erzählt Bernhard Moser. Der Bauhofleiter selbst zieht im Hintergrund die Fäden und wird zum Springer. »Es kam schon vor, dass mich um zwei Uhr früh ein Fahrer anrief, dass er krank ist. Dann muss eben ich schnell raus.« Dazu kommt der Streudienst, der im Gegensatz zur Schneeräumung zu 100 % in der Hand der Gemeinde liegt. Um fünf Uhr früh geht es unabhängig vom Wetter los. Ist es notwendig, wird gestreut, ansonsten wird die Fahrt auf der 25 Kilometer langen Strecke zur Kon- trollfahrt. 2,5 Stunden dauert eine Runde. Gefahren wird im Schichtbetrieb, da um drei Uhr nachmittags die zweite Runde ansteht.

Neue Wetterlage

Der Wetterbericht ist im Winter der ständige Begleiter der Männer. »Wir hören alle genauer hin. Vor allem beim bayrischen Wetterbericht, denn die Niederschlagswetter kommen aus dem Rosenheimer Raum.« Von ZAMG erhalten alle Mitarbeiter zudem auf das Handy detaillierte Wetterinfos speziell für Ellmau. »Unser größtes Problem mit dem Wetter ist, dass es sich geändert hat. Früher fing es gegen zwei, drei Uhr nachts an zu schneien. Seit einigen Jahren hat sich das auf vier, fünf Uhr früh verschoben. Damit haben wir weniger Zeit, die Straßen freizuräumen, bis der Morgenverkehr startet.« Dazu kommt der Faktor Schneeverwehungen, der in den letzten zehn Jahren einen neuen Stellenwert einnahm. »Die Winde haben sich massivst verändert. Wir haben viele Ostwinde. Lassen die aus, schieben die Westwinde an und die Verwehungen starten. So etwas gab es bisher nur hoch oben in den Berge. Es kann passieren, dass du mit dem Schneepflug fährst und keine halbe Stunde später ist die Straße wieder dicht vom hineingewehten Schnee.« Gerade hier entstehen oft Missverständnisse, werden die Fahrer beschimpft oder gehen beim Bauamt die Telefone heiß. »Es ist ärgerlich, wenn man wegen dem Schnee irgendwohin zu spät kommt. Nur haben sich hier auch die Menschen geändert. Früher war es normal, bei Winterbedingungen früher zu starten, etwas mehr Zeit einzuplanen. Heute hast du ein Hupkonzert hinter dir, wenn du kurz den Weg blockierst, um die Straße zu räumen, oder es trudeln Beschwerden ein, dass irgendwo nicht geräumt wurde. Da unsere Fahrzeuge alle mit GPS ausgestattet sind, können wir zum Glück genau sagen, wann wir wo unterwegs waren.« All den Anstrengungen zum Trotz freuen sich die Männer vom Winterdienst aber bereits auf den Schnee. »Denn es ist schon etwas Spezielles, wenn du durch die Straßen fährst, rundum dunkle Nacht, und der Schnee im hohen Bogen von der Straße fliegt.«

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