Anspruchslose Zeitgenossen

Anspruchslos, hitzeresistent und gegen viele tropische Krankheiten unempfindlich sind die Zwergzebus – und vor allem wenig verbreitet in Österreich. Rund 1.200 Buckelrinder grasen auf den Feldern Österreichs, das ist ein Rasseanteil von rund 0,06 Prozent. Mark Pirkner hat sie sich trotzdem aus vielen Gründen zugelegt.
Genügsam kaut das Zwergzebu sein Futter. Um den Hintersteinersee sind die Wiesen feucht, moosig und sauer – nicht ganz nach dem Geschmack der meisten Rinderrassen. Den ursprünglich aus dem asiatischen Raum stammenden Nutz- tieren ist das aber reichlich egal. »Wir wollten etwas kleines, leichtes«, nennt Mark Pirkner den Grund, warum keine herkömmlichen Kühe auf den Feldern zu sehen sind. »Etwa 15 Jahre haben wir schottische Hochlandrinder gehalten. Für diese hat sich jemand interessiert, dann haben wir die ganze Herde verkauft. So sparten wir uns die aufwändige Ein- zäunung aufgrund der langen Hörner, mussten aber auch nach neuen Rinder suchen.« Immerhin sollten die acht Hek- tar Grünland des landwirtschaftlichen Betriebs »Seespitz-Hof« nicht unbewirt- schaftet bleiben.

»Wir haben die Rinder nicht nur zum Ansehen. Der Plan ist schon, etwas Ordentliches auf den Teller zu bringen.«

Mark Pirkner,

»Seespitz-Hof« in Scheffau

Extensive Nutzung

Langläufig strecken sich die Felder, teils steile Lagen machen das Gelände für schwere Rinderrassen aber nicht geeignet. Mit seinen rund 750 Kilogramm würde ein Fleckvieh Löcher in den Boden stampfen, über kurz oder lang wären die Wiesen zertreten gewesen. »Daher wollten wir keine herkömmlichen Rinder. Die Zwergzebu-Kühe wiegen um die 300 Kilogramm – wenn es eine schwere ist«, weiß der Scheffauer. Von der Familie wurden zehn der Buckelrinder 2004 in Deutschland gekauft, in Naturschutzprojekten für Weideoffenhaltungen werden sie dort oft genutzt. Auch aufgrund der Tatsache, dass sie Robustrinder sind. Zwergzebus stammen ebenso wie die europäischen Hausrinderrassen vom Auerochsen ab und kommen ursprünglich aus Sri Lanka, heute sind sie beinahe auf der ganzen Welt zu finden. Zwergzebus sind standorttreu und zeigen ein ausgesprochen intensives Herdenverhalten.

Der Name dem Aussehen nach

»Ceba«. Auf dieses tibetanische Wort geht der Begriff Zebu zurück und heißt übersetzt nichts anderes als Buckel. Mit einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Höcker im Widerristbereich sind die Tiere ausgestattet, wobei die Männchen einen stärker ausgeprägten Buckel als die Weibchen besitzen. Bei der Fellfarbe gibt es bei den Zebus keine Grenzen: ob Braun-, Schwarz-, Rot- oder Weiß-Töne, einfärbig, gefleckt oder gesprenkelt – die einzige Gemeinsamkeit ist das schüttere Haar. Pro Quadratzentimeter Haut wachsen weniger Haare als das beim konventionellen Hausrind der Fall ist.

Feinfasrig und fettarm

»Wir haben die 17 Tiere das ganze Jahr daheim und viele Monate in der Freilandhaltung«, erzählt der Zebu-Halter von der Pflege. »Im Winter brauchen sie aber einen trockenen und zugluftgeschützten Unterstand. Im Sommer bleiben sie draußen, der Stall wird komplett ausgemistet.« Kraftfutter ist ein Tabu bei der Fütterung, lediglich Heu und eben, was die Rinder auf der Weide finden, kommt in ihre Mägen. »Das Futter, das wir hier am Hof haben, kann ich somit verwerten.« Genutzt werden
Foto: GPhoto/ Matrin Guggenberger
Text: Alexandra Embacher

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